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Bienen im Obstbau
















Die Bestäubungsleistung der Honigbiene im Intensivobstbau

Von Andreas Platzer, Fachlehrer
Fachschule für Obst-, Wein- und Gartenbau Laimburg, Südtirol 



 Die Honigbiene hat für den heutigen, modernen Obstbau eine nicht mehr wegzudenkende Bedeutung erlagt. Dies ist nicht nur eine Aussage der Imkerei, sondern wissenschaftlich in zahlreichen Versuchen weltweit immer wieder bewiesen worden. Diese Erkenntnisse haben gezeigt, dass etwa 85% der gesamten Obstanlagen in Europa heute von der Honigbiene (Apis mellifera) bestäubt werden.

Das Wissen um diese Bedeutung, kann sowohl der Imker sehr viel mehr allerdings der Obstbau nützten und zu seinen Gunsten nutzen. Durch die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion im Allgemeinen, speziell aber im Obstbau haben sich die Rahmenbedingungen für die Imkerei und die Bienen in und um diese Obstanlagen sehr geändert. Waren es früher hauptsächlich Streuobstanlagen in denen die verschiedenen Obstarten produziert wurden, sind es heute hochtechnisierte Intensivkulturen in denen nichts mehr dem Zufall überlassen wird.



Die Bedeutung der Biene für den Obstbau:

Vorab muss gesagt werden, dass Äpfel eigentlich selbststeril sind, d.h., dass sich die Apfelsorten innerhalb der Sorte nicht befruchten können. Als Folge daraus muss sortenfremder Pollen für eine Bestäubung herangebracht werden. Zu diesem braucht es nicht nur solchen Pollen, der durch die Sortenvielfalt oder durch Befruchtersorten gewährleistet wird, sondern zudem benötigt man ein „Transportmedium“, das die Honigbiene darstellt. Zur Vollständigkeit muss aber auch gesagt werden, dass triploide Sorten wie z.B. Gloster und Winesep dieses Problem nicht haben, d.h. der sorteneigene Pollen kann zu einer Befruchtung führen. Versuche in Südfrankreich haben auch gezeigt, dass unter günstigsten Bedingungen die Sorte Golden Delicious in 3 von 10 Jahren wirtschaftliche Erträge liefern kann; ein Obstbaubetrieb kann sich darauf allerdings nicht verlassen und schon gar nicht überleben. Als weiteren Bereich warum die Honigbiene für den Obstbau einen so hohen Stellenwert als Bestäuber einnimmt, ist im morphologischen Bau der Obstblüte selbst zu finden.

Vielfach wird behauptet, dass die Obstblüte, vor allem bei Apfel, auf die Biene verzichtet werden kann, da der Pollentransport auch vom Wind durchgeführt werden kann. Dies wurde wissenschaftlich widerlegt, da die Blüte der Obstgehölze schon durch ihren morphologischen Bau eine Windbestäubung nicht zulässt. Blüten haben sehr grosse Blütenblätter die für Insekten nicht nur attraktiv sind und einen leichten Beflug zulassen. Die Blütenblätter schliessen die Blüte bei Wind schützend ein und verhindern dadurch, dass Pollen auf die Narbe der Blüte kommen kann. Die Blütenstände (Pollenständer als auch Narbe) sind so angelegt, dass eine Selbstbestäubung unmöglich ist. Man hat auch festgestellt, dass es nicht nur ausreicht, dass Pollen vorhanden ist, eine gesicherte Bestäubung gibt es nur dann, wenn der Pollen mechanisch auf die Narbe aufgedrückt wird, dies ist durch den Wind nicht möglich. Viele behaupten, dass diese angeführten Parameter durch starken Wind ausser Kraft gesetzt werden. Es genügt allerdings nicht nur, dass Wind vorhanden ist, es muss auch eine gewisse Pollenkonzentration/m³ Luft vorhanden sein, eine Konzentration, die nur im Umkreis von ca. 0,8 m um die Pflanze selbst gegeben ist.



Warum nun aber die Biene als Bestäuber?

Es besteht die berechtigte Feststellung, dass es in der Natur eine Vielzahl von Insekten gibt, die ebenso als Bestäuber in Frage kommen, warum nun ist gerade die Honigbiene so wichtig für die Bestäubung der Obstanlagen? Zum einen, weil es kein anderes Fluginsekt weltweit gibt, das eine annähernd gleich starke individuenstarke Anfangspopulation hat wie die Honigbiene. Diese sogenannte Abbundanz ist ausschlaggebend für einen starken Bestäubungsdienst. Zum anderen haben wir bei der Honigbiene eine sehr stark ausgeprägte Blütenstetigkeit, d.h. die Bienen fliegen so lange eine Blütenart (z.B. Apfel) an, bis diese Trachtquelle versiegt ist. Diese Blütenstetigkeit garantiert, dass Pollen einer Art übertragen wir. Es nützt nämlich nichts, wenn Löwenzahnpollen auf eine Apfelblüte trifft! Diese Blütenstetigkeit ist bei der Honigbiene bis zu 85% ausgeprägt.

Als weiteren Pluspunkt können die Bienen die erhaltene Mobilität durch den Imker für sich verbuchen. Kein anderes Insekt kann und wird so gezielt in Obstanlagen eingebracht wie die Honigbiene. Zu all dem kommt noch der Körperbau der Biene. Die Biene ist als solches als Pelztier zu betrachten. In diesem Pelz können Pollenkörner sehr leicht haften bleiben und zur Bestäubung diesen. Die Honigbiene besitzt eine sehr kurze Zunge, was zur Folge hat, dass die Biene, will sie zum Nektar am Blütenboden, gelangen sich regelrecht in die Blüte drängen muss. Dadurch wird wiederum eine Übertragung des Pollens gewährleistet.



Welchen Einfluss hat eine gute Befruchtung auf die Fruchtentwicklung?

In zahlreichen Versuchen weltweit wurde festgestellt, dass die Fruchtentwicklung hormonell gesteuert wird, und dass diese Hormone einen direkten Einfluss auf die Fruchtfleischentwicklung haben. Das Fruchtfleisch hat die biologische Funktion, die Samenanlagen zu schützen und ihnen Nahrung in der ersten Lebensphase der Keimung zu bieten. Sind keine Samenanlagen aufgrund einer mangelnden Bestäubung vorhanden, braucht es auch keinen Schutz, und es kommt zu einer Missbildung der Frucht selbst. Durch die neue Sortenwahl muss aus imkerlicher Sicht allerdings festgestellt werden, dass durch den Mangeln von Nektar und Pollen bei diesen Pflanzenzüchtungen der Honig- bzw. Polleneintrag in den Bienenvölkern sich wesentlich verringert hat. Der imkerliche Nutzen aus einer Blütenwanderung hat sich demnach reduziert.

Hochrechnungen aus Südtirol haben in einer Gegenüberstellung gezeigt, dass bei einer Obstblütenwanderung mit 30 Wirtschaftsvölkern ein max. Gewinn von ca. 1835 € erwirtschaften lässt, allerdings mit einem Zeitaufwand von 56 Arbeitsstunden. Verzichtet ein Imker auf die Obstblütenwanderung, so kann er mit seinen Bienenvölkern zwar nur ca. 1476 € Erwirtschaften, dies allerdings mit einem Zeitaufwand von „nur“ 15 Arbeitsstunden.

Durch die Kulturführungen im Intensivanbau hat sich auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln konzentriert, Zwar muss aus imkerlicher Sicht eingeräumt werden, dass sich in den letzten Jahren die Pflanzenschutzmittel hinsichtlich der Bienentoxizität durch ihre Selektive Wirkung stark verbessert haben, es hängt aber immer noch auch von der guten landwirtschaftlichen Praxis des Anwenders ab, ob und in welcher Form Schäden an Bienen auftreten oder nicht. Hier gilt es noch einiges zu verbessern. Die Gesetzlichen Bestimmungen wären schon ausreichend für den Schutz unserer Bienen, es mangelt aber vielfach in der Umsetzung. Hier ist noch viel an Aufklärungsarbeit zu leisten. Zahlreiche Schädlinge und Krankheiten haben sich im Intensivobstbau in den letzten Jahren intensiviert (Feuerbrand und Apfeltreibsucht), welche sich allerdings auch auf die Imkerei ausgewirkt haben. Neue Spritzungen wurden propagiert, welche sich negativ auf die Entwicklung der Bienen und die Imkerei ausgewirkt haben (Spritzschäden an Bienen, Verunreinigung von Imkereiprodukten).

Zusätzlich kann beobachtet werden, dass die Anlagen vermehrt mit Hagelschutznetzen überspannt werden, welche durch ihre Polarisierung des Lichtes eine Orientierung der Bienen unmöglich machen und zu einer starken Fluktuation der Bienen in Folge eines Orientierungsverlustes führen.

All diese Parameter muss der Imker von heute in eine Obstblütenwanderung einkalkulieren und eine gezielte Anwanderung der Intensivobstanlagen überdenken.

Zukünftig wird es wahrscheinlich nur ein miteinander geben, wenn beide Seiten, Obstbau als auch Imker über die Gefahren Bescheid wissen und sich entsprechend verhalten.